Vom Einspeisemanagement zum Redispatch 2.0

Die Energiewende ist in vollem Gange und immer mehr Strom wird aus regenerativen Quellen erzeugt. Bis die Stromnetze komplett für die neuen Aufgaben ausgebaut sind, wird es allerdings noch einige Jahre dauern. In der Zwischenzeit müssen Engpässe im Stromnetz überbrückt und die schwankenden Einspeisungen aus erneuerbaren Energien ausgeglichen werden. Dazu wird Redispatch verwendet.

Was ist Redispatch?

Redispatch ist ein kurzfristiger Eingriff in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken. Bevor ein Abschnitt im Netz zu überlasten droht, werden Kraftwerke angewiesen, ihre Einspeisung zu reduzieren. Anlagen jenseits von Engpässen müssen dagegen ihre Einspeiseleistung erhöhen. Dies schützt Leitungsabschnitte vor Überlastung und erhält gleichzeitig die Versorgungssicherheit. Vor Oktober 2021 erfolgt Redispatch nur über die Regelung konventioneller Kraftwerke mit einer installierten Leistung von mindestens 10 MW und lediglich auf den höheren Spannungsebenen. Ab diesem Zeitpunkt werden aber auch kleinere Erzeuger und die Niederspannungsebene betroffen sein. Eine anschauliche Erklärung des Themas erhalten Sie in dem folgenden Video der Bundesnetzagentur:



Video der Bundesnetzagentur:
Redispatch 2.0 anschaulich erklärt!
 

 

Vertragsbedingungen 2014


Für diese Anlagen ist der Redispatch 2.0 verpflichtend:

  • Alle Erzeugungsanlagen und Stromspeicher ab einer Leistung von 100 kW. Also auch alle, die Strom aus erneuerbaren Energien oder mit Kraft-Wärme-Kopplung produzieren.

Ab dem 1. Oktober 2021 startet Redispatch 2.0 auf der Grundlage des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes, welches die Energiewende beschleunigen und die Stromnetze sicherer machen soll. Um dies zu ermöglichen, werden ab dann auch Erneuerbare Energieanlagen (EE-Anlagen),  Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen) und Speicheranlagen ab einer installierten Leistung von 100 kW von den Redispatch-Maßnahmen betroffen sein.
Daher die Bezeichnung „Redispatch 2.0“.  Es soll soll die Entwicklung von Last und Einspeisung prognostizieren. Zudem sollen im Vorfeld Maßnahmen gegen zu erwartende Überlastungen oder Engpässe eingeleitet werden. Zukünftig wird das Verfahren daher stärker auf Planungsdaten und Prognosen basieren. Hierzu werden auch die oben genannten Anlagenbetreiber eingebunden. Zudem sollen die Gesamtkosten aus konventionellem Redispatch und Einspeisemanagement optimiert werden.

 

Übergangslösung zum Einstieg in den Redispatch 2.0 zum 1. Oktober 2021

Die AVU Netz GmbH nimmt an der BDEW-Übergangslösung zum 01. Oktober 2021 teil. Mehr Infos zu dieser Lösung finden Sie hier!

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Download: 
 

 Daten, die beim Redispatch mitzuteilen sind

 Bilanzierungs-, Steuerungs- und Abrechnungsmodelle im Redispatch 2.0

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Fragen und Antworten zum Redispatch 2.0

Wer ist von den neuen Regeln betroffen?
Ist Redispatch 2.0 für meine Anlage(n) von mehr als 100 kW verpflichtend umzusetzen?
Muss ich als Anlagenbetreiber meine Anlage im Zusammenhang mit dem Redispatch 2.0 technisch nachrüsten?
Welche Aufgaben haben Anlagenbetreiber in Zusammenhang mit Redispatch 2.0? 
Welchen Meldeweg und welches Format muss der Anlagenbetreiber einhalten?
Was sind Einsatzverantwortlicher (EIV) und Betreiber der technischen Ressource (BTR)? 
Wie finde ich einen Dienstleister für meine Anlage? 
Gibt es eine Entschädigung, wenn meine Anlage zum Gegenstand von Redispatch-Maßnahmen gemacht wird?
Was passiert, wenn ich keine Daten mitteile?

Neben Anlagenbetreibern sind auch Netzbetreiber von den Regelungen betroffen. Beide müssen an einem Strang ziehen, um die neuen Prozesse und Aufgaben fristgerecht umsetzen.

Anlagenbetreiber

Betroffen sind alle EEG- und Blockheizkraftwerke, konventionelle Energieanlagen und Speicher mit einer Leistung von mehr als 100 kW. Auch EE- und KWK-Anlagen, die von einem Netzbetreiber permanent steuerbar sind, gehören dazu.

Netzbetreiber

Redispatch 2.0 ist für alle Netzbetreiber relevant, die EEG- und KWK-Anlagen, konventionelle Energieanlagen und Speicher mit einer Leistung von mehr als 100 kW an ihr Netz angeschlossen haben. Darüber hinaus sind regelbare Anlagen kleiner oder gleich 100 kW miteinzubeziehen.

Ja, dies ist gesetzlich in § 13a EnWG und § 14 EnWG in der Fassung des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes vom 13. Mai 2019 vorgeschrieben.

Nein. Die Regelungen zum Redispatch 2.0 knüpfen, soweit erforderlich, an bestehende Fernsteuertechnik an. Nachrüstpflichten anlässlich des Redispatch 2.0 gibt es also nicht. Nachrüstpflichten können sich aber z. B. aus dem EEG ergeben.

Anlagenbetreiber oder deren Dienstleister müssen für Redispatch 2.0 folgende Aufgaben erfüllen:

  • Bennennung eines Einsatzverantwortlichen (EIV) und eines Betreibers der Technischen Ressource (BTR)
  • Bereitstellung von Stammdaten der Erzeugungseinheiten
  • Bereitstellung von Prognosen für die Erzeugungseinheiten (Planwertmodell)
  • Informationen über Nichtbeanspruchbarkeiten übermitteln
  • Echtzeitdaten bereitstellen
  • Abrechnungsdaten bereitstellen

 

Der Datenaustausch erfolgt im Redispatch 2.0 über einen sogenannten Data-Provider („Datendrehscheibe“). Die Rolle des Data-Providers wird in der Regel durch das Tool RAIDA von Connect+ eingenommen. Somit hat der Datenaustausch grundsätzlich über die Datenaustauschplatform RAIDA von Connect+ im XML-Format zu erfolgen. 

Aus Sicht des Anlagenbetreibers gibt es für Redispatch 2.0 zwei neue „Marktrollen“: Der Einsatzverantwortliche (EIV) und der Betreiber einer technischen Ressource (BTR). Zusammen mit dem Anschlussnetzbetreiber managen sie den Redispatch 2.0. Diese beiden Rollen können entweder von Ihnen selbst oder von einem fachkundigen Dienstleister wahrgenommen werden.

Einsatzverantwortlicher (EIV)
Der EIV kümmert sich vor einer Redispatch-Maßnahme um die Daten. Er übermittelt beispielsweise die Stammdaten sowie die Prognosen Ihrer Anlage an den Netzbetreiber.

Betreiber der technischen Ressource (BTR)
Der BTR sendet die Abrechnungsdaten nach der Redispatch-Maßnahme. Dadurch kann der Netzbetreiber den Ausfall der Anlage abrechnen.

Viele Direktvermarkter oder Stromlieferanten bieten an, die Rolle des Dienstleisters bzw. Einsatzverantwortlichen zu übernehmen. Stimmen Sie sich bitte eigenständig dazu mit Ihrem Direktvermarkter, Ihrem Stromlieferanten oder einem anderen Dritten ab.

Ja, das Gesetz sieht in einem solchen Fall einen angemessenen finanziellen Ausgleich vor. Dabei ist der finanzielle Ausgleich angemessen, wenn er den Anlagenbetreiber weder besser noch schlechter stellt, als er ohne die Redispatch-Maßnahme stünde. Darüber hinaus gibt es einen Anspruch auf bilanziellen Ausgleich für Bilanzkreisverantwortliche/Direktvermarkter, auf deren Bilanzkreis sich die Abregelungsmaßnahme auswirkt.

Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, dass sie auf Pflichtverstöße mit Maßnahmen des Verwaltungszwangs reagieren kann, z. B. also durch Festsetzung eines Zwangsgeldes. Außerdem drohen u.a. ggf. Schadensersatzansprüche des Netzbetreibers oder anderer Anlagenbetreiber, wenn durch die unterbliebene oder fehlerhafte Datenmitteilung Schäden entstehen.

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